Sterntagebuch

Nr. 44, Herbst 2023

Was tut sich aktuell am Himmel?

Die ringförmige Sonnenfinsternis am 14. Oktober verläuft von Kanada über Nordamerika, Mexiko und Brasilien – kein Schimmer davon also bei uns. Dafür kann die partielle Mondfinsternis am Samstag, dem 28. Oktober in ganz Europa beobachtet werden. Jedoch nur der untere Mondrand wird zwischen 20 und 22 Uhr dunkelgrau bis rötlich erscheinen.

Die beiden nachfolgenden Fotos entstanden mit denkbar einfachsten Mittel: Bushnell 4×30 xtrawide und Feldstecher Fujinon10x50 mit Mylarfilter(Sonne), dahinter ein gängiges Smartphone. Abgesehen vom persönlichen ästhetischen Wert solcher Fotos leisten Hobbyastronomen mit Dokumentationen der Sonnenaktivität weltweit seit Jahrzehnten wertvolle Beiträge zur Erforschung unseres Heimatgestirns.

Unser Rundblick am Nachthimmel soll mit dem Großen Wagen im Norden beginnen. Alljährlich im Herbst durchzieht er in der ersten Nachthälfte den unteren Meridian. Steht die berühmte hintere Wagenachse genau senkrecht über Nord, so hat man zeitgleich im Rücken genau über Süd den einsam anmutenden Stern Fomalhaut, (Südl. Fisch). Auch wenn es nicht die klassischen Kolursterne sind, hat man doch eine fabelhaft Grundorientierung! Von diesem Stern mit dem eigenartigen Namen (von arab. „fom al ha- ut“, Walfischmund) weist der Südmeridian nach oben zum Zenit über zwei Sterne, die die rechte Flanke des großen Trapezes des Sternbildes Pegasus bilden. Unterhalb dieses Kastens beziehen die unauffälligen „Wasserbilder“ WalfischFischeWassermann oder Steinbock zwischen Südost und Südwest Stellung. Während das Himmels- WKassiopeia im Zenit zirkuliert, streben Richtung West die Sommersternbilder inmitten der Milchstraße mit jedem Tag ihrem Abtauchen unter den Horizont entgegen. Dafür kündigen im Osten mit Kapella im FuhrmannAldebaran im Stier sowie Castor und Pollux im Sternbild der Zwillinge die markanten Winterbilder ihr Wiedererscheinen an.

Der flinke Merkur bietet in der 3. Septemberwoche eine Morgensichtbarkeit, indem er z.B. zu Herbstbeginn mit Regulus im Löwen und Venus ein eindrucksvolles Lichtertrio bildet. Jene erreicht am 3. September ihre größte Helligkeit. Während ihrer Herbstpassage vor den Sternbilder KrebsLöwe und Jungfrau bleibt sie auffälliger Morgenstern bis zum Frühjahr 2024. Am Donnerstag, den 9. November wird der Planet in den Vormittagsstunden vom Mond bedeckt. Mit einem Feldstecher kann man das Schauspiel verfolgen.

Jupiter, obwohl nur 0,1 % der Sonnenmasse aber 318 Erdmassen ist der Schlager der Saison. Vor dem Sternbild Widder vollzieht er von Ende September bis zum Jahresende seine Oppositionsschleife; ist also faktisch die ganze Nacht über präsent. Bis dato bilden 95 entdeckte Monde seinen Hofstaat.

Sein kleinerer Bruder, der Saturn bezaubert vor dem Sternbild des Wassermanns mit seinem gold- gelben Licht, aber leider nur noch in der ersten Nachthälfte. Könnte man den Burschen mit der geringen Dichte von 0,7 in die heimische Badewanne setzen, würde er schwimmen wie eine Quietschente.

Während Uranus ganz in der Nähe von Jupiter mit bloßem Auge gesehen werden kann, bleibt Neptun vor dem Sternbild der Fische dem Beobachter mit Teleskop vorbehalten.

Text und Foto(2): K.-H. Bohn, 8.23, Berlin, unter Verwendung von CYBERSKY 3.3.1 sowie Internet


Nr.39 Herbst 2020

Mars macht mobil….

Längst sind die Oppositionszeiten der beiden größten Planeten, Jupiter und Saturn, vorüber. Doch der unbedarfte Hans-Guck-In-Die-Luft wird sich immer noch fragen: Was sind das nur für zwei helle Sterne, die nach Einbruch der Dunkelheit in Höhe und Helligkeit die ganze Nacht über konkurrieren. Bis Dezember kann man die beiden noch erspähen.

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Am Freitagabend, den 23. Oktober haben wir bei klaren Sicht und in noch angenehmer Höhe einen „Gast- Stern“ an Jupiters Hof. Fast gleich so hell wie die Jupiter- Trabanten aber rötlich in der Färbung, wie die Spektralklasse „K“ angibt. Zur Erinnerung der nette Spruch: Oh Be A Fine Girl Kiss Me;  „O“ sind die bläulichen, „M“ die roten Sterne. An besagtem Freitag ist die Opposition des Planeten Mars auch schon wieder eine Woche Geschichte, was heißt: Das Mars- Jahr ist angebrochen. In der sternenleeren Gegend der „Fische“ brilliert er rötlich und einfach alles überstrahlend.  Einmal zu Monatsanfang/- ende bekommt er Besuch vom Vollmond, wie es sich gehört für einen Oppositionskandidaten.

Erwähnt sei noch das Kuriosum des 2. Oktober- Vollmondes am Reformationstag, den 31. Oktober und der Hinweis auf die exzellente Sichtbarkeit des sog. „Goldenen Henkel“ am Freitag, den 28. August ab ca. 19 Uhr. Planeten in Hülle und Fülle, möchte man meinen, denn auch Uranus und Neptun sind den ganzen Herbst willkommene Objekte für Teleskope. Wer allerdings noch die beiden inneren Planeten beobachten möchte, der muss früh aufstehen. Während die Venus noch bis weit ins neue Jahr den Morgenhimmel beherrscht, bietet der Merkur zwischendurch im November noch eine eher bescheidene Abendsichtbarkeit- zudem hält er sich dann auch noch südlich der Ekliptik auf.

Die Herbstnächte, manchmal noch angenehm mild, bieten aber noch mehr! Von Südwest aufsteigend bis zum Zenit hoch über den Köpfen und abfallend nach Nordost zieht sich der galaktische Äquator, sprich die Milchstraße mit einer nur zu dieser Jahreszeit beobachtbaren Fülle an Objekten, speziell der ca. 110 von Messier vor 250 Jahren Aufgelisteten. Wer sich also nicht satt sehen kann: ran ans Okular bis in die frühen Morgenstunden!

Kluge Leute

„Anfang und Ende der Dinge werden dem Menschen immer ein Geheimnis bleiben.“                     

Blaise Pascal (1623-1662), Physiker, Mathematiker, Literat, Philosoph…um nur einiges aufzuzählen. Mit seinen „Fünfgroschenkutschen“ markierte er den Beginn des öffentlichen Nahverkehrs in Paris. Wenn Sie also einen E- Skooter anmieten: Hut ab und …Gute Fahrt!

Text und Fotos: K.-H. Bohn / H. Götze. Unter Verwendung von INTERNET und CYBERSKY 3.3.1, Fotos:4×30 Bushnell und Smartphone.


Nr.38 Frühjahr / Sommer 2020

Wie lange noch sehen wir Beteigeuze?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Als Mittelpunkt des Wintersechseck, also der markanten Wintersternbilder ist dieser rötliche Stern noch bis Anfang Mai in der Abenddämmerung auszumachen um  drei Wochen später zeitgleich mit der Sonne unterzugehen. Für die Fachwelt jedoch stellt sich die obige Frage etwas anders. In den letzten Monaten fiel der augenscheinliche Helligkeitsabfall dieses Roten Riesen auf, sodass manche sogar den Anfang von dessen dramatisches Ende vermuten- den berühmten Knall im All als Supernova.

Die obere rechte Ecke besagten Wintersechecks stellt Aldebaran, das rote Auge des Stieres, dar. Von diesem ausgehend, zehn Grad weiter östlich bis zu  den Plejaden,  befindet man sich  im „Goldenen Tor der Ekliptik“. Bis Ende Mai sind in dieser Himmelsgegend die beiden inneren Planeten Merkur und Venus zu bewundern. Einmal im Monat ist auch der zunehmende Mond dort zu sehen.

Am 3. April durchzog die Venus die Plejaden. Und auch der Mondzeigte sich an diesem Abend von einer seiner besten Seite.

Da sich ab Ende Mai keine astronomische Dämmerung mehr einstellt, sind die anderen Planeten von besonderem Interesse. Wer also Jupiter und Saturn eine optische Visite abstatten möchte, kann sich schon ab 1 Uhr morgens auf die Lauer legen. Beide Gasriesen bewegen sich momentan rückläufig in den Sternbildern Steinbock und Schütze und (scheinbar) aufeinander zu. Mitte Juni dann lohnt sich das zeitige Aufstehen aber erst recht: Nach Jupiter und Saturn ziehen in der zweiten Nachthälfte zunächst Neptun mit Mars, danach Uranus und schließlich die Venus (wieder als Morgenstern) jeweils im Stundentakt an der Himmelsbühne auf.

Der Vollständigkeit halber sei die ringförmige Sonnenfinsternis am 21. Juni erwähnt. Lediglich in Südeuropa ist sie als partielle Finsternis zu sehen. Auch die Halbschattenmondfinsternis am 5. Juli wird sich wohl völlig unbemerkt (für Westafrika sowie Nord- und Südamerika) vollziehen.

Historisches: Zurück in die Zukunft

Glückwunsch dem Hubble-Weltraumteleskop! Vor 30 Jahren, am 24.April 1990, startete das NASA/ESA Teleskop. Trotz vieler Pannen liefert es seit Jahrzehnten atemberaubende Bilder und Einsichten vom Universum. In genau einem Jahr soll nun das James- Webb- Weltraumteleskop gestartet werden. Auch dies ein Gemeinschaftsprojekt NASA/ESA/CSA (Kanada).

Text, Grafik und Fotos: K.-H- Bohn, Berlin